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Lesung am 18. März 2009 in Gorxheimertal

Weinheimer Nachrichten/Odenwälder Zeitung vom 20. März 2009

Affirmationen als moderner Rosenkranz
Bericht von Jürgen Drawitsch

Gorxheimertal. Als Konstanze Quirmbach die erste Lesung ihres Lebens beginnt, faltet sie andächtig die Hände. Es ist eine demutvolle Geste, die sie einnimmt, während hinter ihr auf der Leinwand ein Bild erscheint. Es ist ein Sommerbild; Gras im Wind vor einem blauen Himmel. Es ist nicht irgendein Himmel. Es ist der Himmel über Nova Scotia an der Ostküste Kanadas, dort wo die Wildgänse und die Eistaucher fliegen, deren Schreie zu Beginn des Abends von einer CD im Praxisraum von Iris Pohlers zu hören waren. Dort richten jetzt fast 60 Besucher erwartungsvolle Blicke auf die Autorin.

Konstanze Quirmbach spricht mit sanfter, klarer Stimme, setzt die Pausen an der richtigen Stelle und lässt den Zuhörern Zeit, zu überdenken, was sie über einen Teil der 70 Affirmationen sagt, die ihr erstes Buch mit dem Titel "Ich bin da" enthält. Während auf der Fensterbank des alten Schulgebäudes Engelfiguren im Kerzenschein leuchten, kommen die Zuhörerinnen und Zuhörer automatisch zur Ruhe. Manche, wie Heike Grünewald, die Besitzerin des "Buchladens im Tal", die zum Abend eingeladen hat, wirken regelrecht in sich versunken, andere schauen offen und gespannt auf die Autorin.

Gefahr für Selbstwahrnehmung

Konstanze Quirmbachs Gedanken kreisen in den nächsten eineinhalb Stunden um die Akzeptanz des Lebens und des eigenen Seins, um die Selbstwahrnehmung, die von störenden, rasenden Gedanken behindert wird. Vor allem geht es ihr aber darum, dass jeder den Schalter umlegen kann. So ist es der Autorin selbst ergangen, als sie damit aufhörte, stets die anderen für eigene Unzulänglichkeiten ins Felde zu führen. Stattdessen schlug sie den Weg zu eigenen Einsichten und Veränderungen ein. Ihre Affirmationen helfen dabei, wenn sie immer wieder in den Alltag eingebaut werden und den Menschen in seinem Denken und Fühlen begleiten.

Auf Motivsuche

"Ich kann zulassen was ist", lautet die erste, "Es ist wie es ist" die zweite. Dazu gibt es immer ein neues Bild. Wenn sie davon erzählt, wie sie in den ersten beiden Jahren auf Motivsuche mit dem Fotoapparat durch die unberührte, wilde Natur ihrer neuen Heimat pirschte, kann man sie am Meeresstrand, auf Wiesen und an Seen stehen sehen. Jetzt aber steht sie hier in Gorxheimertal, unterstützt sie ihre Worte mit klaren Gesten und ermuntert das Lese-Publikum dazu, in sich nachzuspüren, was beim Vorsagen einer Affirmation sich im jeweiligen Menschen regt, oder was stumm bleibt. Beides gibt Hinweise auf den Zustand der Seele, auf die Art der Gedanken, auf den Umgang mit Problemen und Hindernissen.

"Ist es besser mit dem Bauch oder mit dem Kopf zu entscheiden?" Die Frage einer Zuhörerin aus der letzten Reihe steht im Raum. "Ich mach es mal so und mal so", antwortet Konstanze Quirmbach. Sie ist keine Besserwisserin sondern eine Mitfühlende. Gleichwohl sieht sie die Bauchentscheidung, wenn sie denn möglich ist, als die ganzheitlichere Variante an.

Keine feste Regel gibt es auch bei der Frage, wie man die Affirmationen am besten anwendet. Vieles spricht dafür, sie in ein festes Morgenritual zu nehmen, weil man dann frisch ist und den persönlichen Leitspruch durch den ganzen Tag nehmen kann. Emile Coué, der Begründer der bewussten Autosuggestion, empfahl sogar, Affirmationen morgens und abends wie einen Rosenkranz einzusetzen, damit das Wort und das Bild in die unterbewussten Tiefen der Persönlichkeit gelangen kann. Konstanze Quirmbach benutzt sie selbst gerne spontan zum Umschalten in bestimmten Situationen.

Himmel und Erde verbinden

Als die Lesung zu den besonders naturverbundenen Affirmationen gelangt, wird die Stimmung mystisch. Konstanze Quirmbach spricht noch etwas leiser und vertraulicher, als sie erklärt, dass sich Himmel und Erde durch jeden von uns nahe kommen können. Sie unterstützt es durch ein stimmungsvolles Bild vom Meer, das einen von jenen Momenten festhält, die uns in der Natur schweigen lassen.

"Sie machen das ganz toll", sagt eine Zuhörerin irgendwann in einer neuen Fragerunde; es ist ein mutmachender Spruch, der wie eine neue Affirmation wirkt und der von spontanem Beifall der Zuhörer begleitet wird.

Am Ende des Abends ist es immer noch still im Raum. Ein Teil der Engel steht im Dunkeln, weil die Kerzen erloschen sind, aber in Konstanze Quirmbach brennt das Feuer unvermindert weiter. Sie unternimmt eine Schatzsuche der Gedanken, lässt Vögel im Frühling zwitschern, die Zuhörer auf einem Segel aus Sonnenstrahlen auf dem Wasser Platz nehmen und im Rhythmus der goldenen Hängematte schaukeln. Das sind besondere Momente, die dankbar verinnerlicht und aufgesogen werden.

Das sagen die Zuhörer anschließend immer wieder, während Konstanze Quirmbach ein Buch nach dem anderen signiert und mit jeder neuen Leserin und jedem neuen Leser ins Gespräch kommt. Ihre Hände, die sie am Ende der Lesung wie zu Anfang demutsvoll gefaltet hatte, tun das, was eine Autorin gerne tut: sie schreiben.


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